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Investmentfirma gründen

Sie wollen eine eigene Investmentfirma gründen? Die Gründung einer Investmentfirma ist mit erheblichem Aufwand verbunden, da Investmentgesellschaften einer behördlichen Aufischt durch das BaFin unterliegen und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Laien nicht zu überblicken sind. Wir geben hier einen kurzen Einblick und stehen auch für die Beratung und Gründung der Investmentgesellschaft gern zur Verfügung.

Was ist eine Investmentfirma?

“Investmentfirma” und “Investmentunternehmen” werden häufig als Synonym für die juristisch korrekte Bezeichnung “Investmentgesellschaft” verwendet. Zusätzlich gibt es im deutschen Recht auch die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) als Sonderform der Investmentgesellschaft. Im Abschnitt zu den möglichen Rechtsformen finden Sie Details zu den Besonderheiten der KAG.

Investmentgesellschaften gehören nach dem Kreditwesengesetz zu den Finanzdienstleistungsinstituten. Finanzdienstleistungsinstitute sind Unternehmen, die Finanzdienstleistungen für andere gewerbsmäßig oder in einem Umfang erbringen, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, und die keine Kreditinstitute sind, definiert es das Kreditwesengesetz. Gewerbliche Finanzdienstleister verwalten und handeln mit Wertpapieren (Aktien, Zertifikate, Optionsscheine), Investmentfonds (Hedge Fonds), Forderungen (Schuldscheindarlehen), Devisen und Derivaten. 

Welche Arten von Investmentfirmen unterscheidet man?

Man kann mehrere Arten von Kapitalanlageunternehmen unterscheiden:

  • Finanzdienstleister, deren Angebot auf Vermittlungstätigkeiten beschränkt ist
  • Finanzdienstleister, deren Tätigkeiten die Annahme von Kundenkapital einschließt
  • Finanzdienstleister, deren Tätigkeiten die Annahme von Kundenkapital und Vermögensverwaltung einschließen

 

Gesetzliche Regelungen und Genehmigungen für Investmentfirmen

Erlaubnispflicht für Investitionsgesellschaften

Wenn Sie eine Investmentfirma gründen, die sich nicht nur auf Vermittlungstätigkeiten beschränkt, brauchen Sie eine Zulassung der Aufsichtsbehörde nach § 32 Kreditwesengesetz. Dem Antrag sind unter anderem folgende Unterlagen beizufügen:

  • Nachweis der zum Geschäftsbetrieb erforderlichen Mittel
  • Angabe der Geschäftsleiter
  • Nachweis der Zuverlässigkeit der Antragsteller (Auskunft aus Gewerbezentralregister, Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes, Auszug aus dem Bundeszentralregister)
  • Nachweis der fachlichen Eignung der Inhaber (nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KWG)
  • die Angaben, die für die Beurteilung, ob die Geschäftsleiter über die zur Wahrnehmung ihrer Aufgabe ausreichende Zeit verfügen, erforderlich sind;
  • Vorlage des Geschäftsplans, aus dem die Art der geplanten Geschäfte, der organisatorische Aufbau und die geplanten internen Kontrollverfahren des Instituts hervorgehen
  • sofern an dem Institut bedeutende Beteiligungen gehalten werden: 
    • die Angabe der Inhaber bedeutender Beteiligungen,
    • die Höhe dieser Beteiligungen,
    • die für die Beurteilung der Zuverlässigkeit dieser Inhaber oder gesetzlichen Vertreter oder persönlich haftenden Gesellschafter erforderlichen Angaben,
    • sofern diese Inhaber Jahresabschlüsse aufzustellen haben: die Jahresabschlüsse der letzten drei Geschäftsjahre nebst Prüfungsberichten von unabhängigen Abschlußprüfern, sofern solche zu erstellen sind,
  • sofern an dem Institut keine bedeutenden Beteiligungen gehalten werden, die maximal 20 größten Anteilseigner;
  • sofern diese Inhaber einem Konzern angehören: die Angabe der Konzernstruktur und, sofern solche Abschlüsse aufzustellen sind, die konsolidierten Konzernabschlüsse der letzten drei Geschäftsjahre nebst Prüfungsberichten von unabhängigen Abschlußprüfern, sofern solche zu erstellen sind;
  • die Angabe der Tatsachen, die auf eine enge Verbindung zwischen dem Institut und anderen natürlichen Personen oder anderen Unternehmen hinweisen;
  • die Angabe der Mitglieder des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans nebst der zur Beurteilung ihrer Zuverlässigkeit und Sachkunde erforderlichen Tatsachen sowie Angaben, die für die Beurteilung erforderlich sind, ob sie der Wahrnehmung ihrer Aufgabe ausreichende Zeit widmen können.

Wer neben einer Erlaubnis und neben dem Betreiben von Bankgeschäften oder der Erbringung von Finanzdienstleistungen auch Eigengeschäft betreiben will, bedarf auch hierfür der schriftlichen Erlaubnis der Bundesanstalt.

Der Erlaubnisantrag ist gebührenpflichtig. Die anfallenden Kosten sind abhängig von Ihrem individuellen Antrag. Laut Gebührenverzeichnis der BaFin belaufen sich die Kosten auf 2.000 bis 17.000 Euro.

Ausnahmeregelungen für die Erlaubnispflicht

Unternehmen, deren Tätigkeit auf reine Darlehensvermittlung und Vermittlung von Unternehmensbeteiligungen (§ 2 Abs. 6 KWG) beschränkt sind, gelten nicht als Finanzdienstleistungsinstitute und benötigen keine Erlaubnis der BaFin.

Regulierungsgrundlagen und Aufsichtsbehörde

Die Investmentbranche ist ein streng reguliertes Geschäftsfeld. Das Investmentgesetz (InvG) wurde im Juli 2013 vom Kapitalanlagengesetzbuch (KAGB) ersetzt. Die staatliche Regulierung und Kontrolle richtet sich nach dem Land, in dem eine Investmentfirma ansässig ist. Deutsche Investmentgesellschaften werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beaufsichtigt.

Die BaFin registriert und erteilt Erlaubnisse für Kapitalanlage- und Kapitalverwaltungsgesellschaften mit satzungsmäßigem Sitz und Hauptverwaltung in Deutschland.

 

Welche Qualifikation brauchen Sie, um eine Investmentgesellschaft zu gründen?

Ein Hochschulabschluss im Bereich Finanzen und Investment sind Grundvoraussetzungen für den Berufseinstieg in der Branche. Da Sie für eine behördliche Zulassung Ihre fachliche Eignung nachweisen müssen, benötigen Sie einschlägige Berufserfahrung auf Führungsebene.

Fachliche Eignung für Investmentunternehmer

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft Ihre Qualifikationen auf Herz und Nieren. Als Geschäftsleiter müssen Sie Ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse nachweisen.

  • Nachweise über eine mindestens dreijährige leitende Tätigkeit bei einem Unternehmen von vergleichbarer Größe und Geschäftsart
  • Detaillierter, lückenloser, unterzeichneter Lebenslauf und Zeugnisse

In welchen Rechtsformen können Investmentfirmen gegründet werden?

Grundsätzlich darf eine Investmentgesellschaft keine beliebige Rechtsform aufweisen. In den meisten Ländern sieht das Gesetz Rechtsformen vor, die auf Investmentgesellschaften zugeschnitten sind. Ein Beispiel hierfür ist die in Europa verbreitete Investmentgesellschaft mit variablem Kapital (französisch société d'investissement à capital variable, abgekürzt SICAV). 

Deutsche Investmentgesellschaften werden häufig als GmbH gegründet. Grundsätzlich kann aber jede denkbare Rechtsform gewählt werden. Nach deutschem Recht werden häufig eine GmbH oder AG als Kapitalanlagegesellschaft (KAG) gegründet. 

Während geschlossene Fonds ein vorgegebenes Investitionsvolumen haben, können Investmentgesellschaften mit variablem Kapital durch Ausgabe neuer Anteile beliebig wachsen. Der Wert des einzelnen Anteils entspricht stets dem aktuellen Fondsvermögen geteilt durch die Zahl der ausgegebenen Anteile. Das durch die Ausgabe von Anteilen aufgenommene Geld wird zum Kauf eines Portfolios aus Wertpapieren (z. B. Aktien und Anleihen), ImmobilienGeldmarktpapieren oder anderen Vermögensgegenständen verwendet. Steigt der Wert des Portfolios, so profitiert der Anleger, denn auch sein Anteil wird mehr wert. Sinkt der Wert, so trägt er die Verluste. Je nach Rechtsform gehört das Fondsvermögen direkt dem Anleger (zum Beispiel im Fall des Investmentclubs), oder aber der Fondsgesellschaft (zum Beispiel im Fall einer Aktiengesellschaft), an welcher der Anleger seinen Anteil hält. Bei einer nach dem Transparenzprinzip besteuerten Investmentgesellschaft wird das Fondsvermögen steuerlich aber in jedem Fall wie eine Direktanlage des Anlegers behandelt.

Die Investmentgesellschaft mit variablem Kapital darf gemäß § 108 KAGB nur in der Rechtsform der Aktiengesellschaft betrieben werden. Ihre Aktien sind als Stückaktien zu begeben (§ 109 KAGB), Kapitalerhöhungen sind nach § 115 KAGB, Kapitalherabsetzungen nach § 116 KAGB statthaft. Eine Investmentgesellschaft mit variablem Kapital muss gemäß § 118 KAGB den Zusatz „mit Teilgesellschaftsvermögen“ oder eine allgemein verständliche Abkürzung dieser Bezeichnungen enthalten.