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schaden in wohnung durch verstopften abwasserstrang

#1

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liebe lübeck-online-team,

bei folgendem thema benötige ich hilfe:

am wochenende ist in einem objekt mit 40 eigentumswohnungen folgendes passiert:

- in einer wohnung ist fontänenartig aus der toilette wasser in den wohnraum herausgesprudelt
- bei dem wasser handelte es sich um badewasser, teilweise fäkalien, teilweise abgestandenes modriges wasser
- das wasser ist in den wohnraum gelaufen und von da unter den parkett
- durch noteinsatz hausmeister mit spirale konnte die verstopfung schnell beseitigt werden.
- die mieter mussten 3 stunden lang reinigen, der geruch (von fäkalien und modrigem wasser) besteht noch immer

was passiert ist, war leicht festzustellen:
- an dem abwasserstrang hängen nur 3 andere parteien
- einer dieser parteien muss einen gegenstand, z. b. ein handtuch, größere küchenabfälle, damenbinden oder ähnliches in sein wc geworfen haben, was die verstopfung verursachte.
- durch das ablassen von badewasser einer der oberen wohnungen, ist es dann zum "unfall" gekommen.
- es wird jedoch nicht mehr herauszufinden sein, durch welche der 3 in frage kommenden parteien die verstopfung verursacht wurde
- alle 3 in frage kommenden parteien bestreiten etwas derartiges zur verstopfung beigetragen zu haben

meine frage:
- wer zahlt den noteinsatz durch den hausmeister? die weg-gemeinschaft? oder nur die eigentümerin, die den schaden hat?
- der parkett ist zwischenzeitlich aufgequollen. wer zahlt diesen schaden?

vielen dank schon jetzt für hilfe

Geändert von kentschana am: 09 Januar 2009 - 03:10


Geschrieben am: 09 Januar 2009 - 03:08

kentschana

#2

    Rechtsanwalt

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Guten Tag!

Zunächst einmal bezahlt den Hausmeister derjenige, der ihn beauftragt hat. Das kann die Wohnungseigentümergemeinschaft (vertreten durch die Hausverwaltung) oder aber auch der betroffene Eigentümer selbst sein.

Interessanter ist die Frage, ob die Eigentümergemeinschaft, wenn sie die Kosten für Hausmeistereinsatz vorlegt, bei dem betroffenen Eigentümer Rückgriff nehmen kann. Hier gilt der Grundsatz, dass die Eigentümergemeinschaft für Schäden am Sondereigentum (hier: Wohnung) eines Wohnungseigentümers, die ihre Ursache im Gemeinschaftseigentum (hier: gemeinsam genutztes Abwasserrohr) haben, nur im Falle eines Verschuldens haften (siehe hierzu etwa BayObLG, Beschluß vom 03.07.1986 - BReg. 2 Z 36/85). Liegt ein solches Verschulden nicht vor, dann besteht tatsächlich eine Rückgriffsmöglichkeit gegenüber dem einzelnen Wohnungseigentümer. In der Beauftragung des Hausmeisters durch die Hausverwaltung wird jedenfalls regelmäßig keine Kostenübernahmeverpflichtung gegenüber dem Wohnungseigentümer liegen.

Hinsichtlich der Schäden am Parkett gilt ebenfalls der oben dargestellte Grundsatz: Ohne ein Verschulden der Eigentümergemeinschaft besteht grundsätzlich keine Möglichkeit, den Schaden "abzuwälzen".

Peter Rieble
Rechtsanwalt

Geschrieben am: 13 Januar 2009 - 10:54

Peter Rieble

#3

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hallo herr rieble,

vielen dank für ihre antwort.

eine frage habe ich noch, das habe ich noch nicht komplett verstanden.

sie schreiben, dass der schaden, wenn das gemeinschaftseigentum (abwasserrohr) durch verschulden der eigentümergemeinschaft verstopft war, von der eigentümergemeinschaft bezahlt werden muss.

das leuchtet ein.
nur: die eigentümergemeinschaft besteht aus über 40 eigentümern.
an dem abwasserrohr hängen aber lediglich 4 verschiedene eigentümer.
nur einer dieser eigentümer hat den schaden verursacht. diesen einen schuldigen wird man aber nicht identifizieren können.

der eine schuldige (den keiner kennt) ist aber teil der "eigentümergemeinschaft"? muss demzufolge die eigentümergemeinschaft zahlen?

oder habe ich das falsch verstanden?

Geschrieben am: 13 Januar 2009 - 11:23

kentschana

#4

    Rechtsanwalt

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Hallo nochmal,

die Eigentümergemeinschaft haftet grundsätzlich nicht für das Verschulden eines einzelnen Eigentümers. Wenn also ein anderer Eigentümer das Abflussrohr verstopft hat, haftet auch nur dieser. Der geschädigte Eigentümer hat einen direkten Anspruch gegen den Verursacher und kann sich grundsätzlich nicht an die Eigentümergemeinschaft halten. Wenn der Verursacher nicht zu ermitteln ist, wird der geschädigte Eigentümer wohl auf seinen Kosten (d.h. Schäden am Sondereigentum: Reinigungskosten, Parkett) sitzenbleiben.

Für Schäden am Gemeinschaftseigentum muss aber die Eigentümergemeinschaft aufkommen, unabhängig davon, wie viele Eigentümer das Abflussrohr nutzen und unabhängig von der Frage des Verschuldens. Wenn der Einsatz des Hausmeisters nur das reine Beseitigen der Verstopfung (d.h. am gemeinsamen Abflussrohr = Gemeinschaftseigentum) umfasste, dürften diese Kosten, die aber wohl nur einen Bruchteil des Schadens ausmachen, von der Gemeinschaft zu tragen sein. Das ist in meinem letzten Posting vielleicht nicht so klar herausgekommen. Natürlich können die Gemeinschaftskosten dann wieder und auf die einzelnen Eigentümer umgelegt werden.

Ich hoffe, ich konnte ihnen weiterhelfen.

Peter Rieble
Rechtsanwalt

Geschrieben am: 14 Januar 2009 - 12:02

Peter Rieble