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Extremer Stundensatz Auf Pauschalrechnung

#1

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Hallo,

ich habe vor einiger Zeit ein medizinisches Gerät vom Hersteller Warten lassen. Die Wartung fand im Rahmen eines Sammeltermins in einem Hotel nahe meinem Wohnort statt.

Ich wurde vorher nicht über die Kosten informiert und ich habe aber auch nicht nach gefragt. Vor Ort habe ich den Techniker gezielt auf die Wartungskosten angesprochen, sowie die Kosten für Zubehör. Er sgate, dass er dazu keine Auskunft geben könne, er wisse nicht was das kostet. Eine Preisliste habe er auch nicht dabei.

Die Wartung dauerte effektiv 20min., wobei ich insgesamt mit etwas aufrunden 30min. bei ihm war mit etwas Smalltalk. Er hatte ein handelsübliches Notebook sowie einen Niederdrucksensor als 'Werkzeug' benutzt. Das Gerät wurde nicht geöffnet oder gereinigt, sondern nur ans Notebook und den Sensor angeschlossen.

Nun erhalte ich eine Rechnung über 210€ und bin völlig platt. Ich habe mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen und geschrieben, dass ich die Rechnung völlig überhöht finde und nicht auf die Kosten hingewiesen wurde. Ausserdem liegt meinerseits kein schriftlicher Auftrag vor. Nach mehreren Schriftwechseln räumte der Hersteller ein, es könnte sein dass ich nicht über die Kosten aufgeklärt worden sei und erließ mir 20 % der Rechnung. Ich überwies daraufhin 107,10€ mit dem Hinweis, dass der Wartungsdienst von zertifizierten Stellen im Internet für 75€ angeboten wird inkl. Transportkosten und ich nicht bereit sei mehr wie die 107,10€ zu bezahlen. Der Hersteller schrieb dann noch, dass es sich bei der Ausrüstung des Technikers um extrem teure Spezialgeräte handeln würde und deshalb dieser Stundensatz gerechtfertigt sei. Da ich mich mit EDV und Sensoren auskenne weis ich, dass jeder Kaminfeger und KFZ-Mechatroniker ein viel aufwendigeres Equipment hat und nicht Stundensätze von 420€ verlangen.

Nun droht der Hersteller mit Inkasso Firma und Mahnbescheid.

FRAGE:

Ist denn aus der oben gschilderten Situation ein Stundensatz von 420€ zu rechtfertigen? Auf der Rechnung ausgewiesen ist 'nur' die Wartung mit 210€ pauschal, also kein Stundensatz!

Im BGB gibt es ja den Passus mit der angemessenen Vergütung. Leider konnte ich auch im Ansatz nichts finden für einen Medizingeräte Techniker.

Soll ich des lieben Friedens willen denn die noch 'restlichen' ca. 55€ zahlen?

Vom Prinzip her stinkt es mir gewaltig (auch dass ich so blöde war und nicht vorher auf eine Preisauskunft bestanden habe).

Viele Grüße,

Uwe

Geschrieben am: 15 Februar 2010 - 11:15

garfield

#2

    Rechtsanwalt, FA für gewerblichen Rechtsschutz

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Hallo Uwe,

eine Vergütung gilt bei einem Werkvertrag als stillschweigend vereinbart, § 632 I BGB. Ist auch die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, so ist die übliche Vergütung vereinbart, § 632 II BGB. Welche Vergütung üblich ist, stellt im Zweifel ein gerichtlicher Sachverständiger anhand der Marktpreise fest. Die Annahme, dass ein Stundensatz von 420,00 EUR eher unwahrscheinlich ist, liegt m.E Nahe. Zudem muss der Rechnungsteller seine Leistungserbringung konkret darlegen.

Auch wird die andere Seite prüfen, ob man die Kosten für ein Inkasso und Rechtsanwalt und/oder Gericht ausgeben will, wenn der erfolgreiche Ausgang des Verfahren zweifelhaft ist. Immerhin muss man, um 50,00 Euro einzuklagen schon fast genauso viel Geld in die Hand nehmen. Die Drohung mit weiteren - auch gerichtlichen Schritten - ist aber erforderlich, da eine wirksame Mahnung dies regelmässig voraussetzt.

Ob man das Risiko eingehen will, einen Gerichtsprozesses, der auch gewonnen werden kann, abzuwarten, muss man selber entscheiden.

Geschrieben am: 17 Februar 2010 - 07:40

Wittmaack
S.Wittmaack
Rechtsanwalt